Zwinkern der Unendlichkeit

Klaub die Luft aus jungem Gras,
Halme brechen Strahl der Sonne,
kühler Duft, der um mich saß,
bettet wärmend sich in Wonne.

Am Zenith der Horizont
taucht hinab in meine Blicke,
hebt mich dorthin, wo er wohnt,
zeigt mir, wie ich Wolken pflücke.

Liege tief und falle hoch,
scheinbar nimmt das Blau kein Ende,
spüre meinen Körper noch,
hängt allein an meiner Wende.

Zwinkern der Unendlichkeit,
schickt mir einen Mut, zu gehen,
hat nicht wirklich mich befreit,
doch erlaubt ein Ziel zu sehen.

 

Nachtdemenz

Ich blicke durch den Staub der Stadt,
der sich dort ausgebreitet hat,
wo manches andere Gesicht,
das kam und kommt, den Blick zerbricht. 

Es brummt Gewohnheit unter mir,
sie fährt tagtäglich durchs Revier
und transportiert die Leiber fort,
wohin, weiß kein Bestimmungsort. 

Wer kommt und geht, der ist nicht frei,
wer schwarz fährt, sorgt für Einerlei,
mein Gähnen schließt sich mit der Tür,
den Blick nach draußen ich entführ. 

Dort sehe ich das Innen groß,
was hier nichts sagt, ist dort nicht los,
das Schweigen ist nicht Höflichkeit,
nur von zu Haus nach hier entzweit. 

Mir kommt es vor, dass alles klebt,
was von der Hand ins Dasein lebt,
und auch ich selbst verliere nur
beim Kreuzen meine eig’ne Spur.
 

Am letzten Haltepunkt entweicht
mein Tag, der nicht zum Ende reicht,
verlässt die Lupe des Moments,
fährt weiter in die Nachtdemenz.

 

Verlorener Sohn

Fragend pochen warme Wolken
eines Hauchs durch
den in Ketten gelegten Spalt
und erklimmen mein kaschiertes
Bettgesicht, den Eiermund im
Kaffeerausch in Eis zu legen.

Ausgerissen ich und er; ich aus der
Selbstgefälligkeit des Tisches,
wie auch er aus dem Darunter.
Grau entstolzt, verströmt sein
Angesicht die Dreistigkeit der Welt
durch diesen Spalt in meinen Untergrund.

Und doch ich kann mich nicht verzehren
nach mir selbst und eigen Fleisch und
Blut dabei erbrechen, als ich spüre,
wie sein Herz die Kette spannt bis zum
Zerreißen und die Wolke mir fast unhörbar
ein 'Papa' in die Augen pulst.

 

Verschallte Nostalgie

Gleite durch den Wind, mein kleiner Flieger aus Papier,
such nicht nach den Brüdern, denn du findest sie nicht hier,
spürst du diese Ruhe, nur die Freiheit deiner Luft,
nichts, was durch die Stille nach Geschäftigkeiten ruft.

Gleite unterm Blau, was keine Risse länger hat,
tanze über Feldern als Symbol aus einem Blatt,
welches den Kontrast zu einer Abhängigkeit zeigt,
die zu Ignoranten aus Naturgewalten schweigt.

Ehedem warst du, mein Flieger, nur ein Spiel im Wind,
bis aus dir die Träume in den Schaum entwachsen sind,
schauen aus Gewichtung ihrer spätmodernen Kraft
gönnerhaft aufs Fußvolk, das in laute Himmel gafft.

Dreh noch eine Runde, du mein nutzlos, kleines Ding,
und genieß die Luft, so wie sie früher einst verging,
morgen schon vergisst man dich, von Kinderhand bemalt,
weil der Himmel dann die Nostalgie erneut verschallt.

 

Ausgedacht

Er erzählt mir von der Schwester,
die sein kleines Herz verehrt,
und wie sie in in ihren Träumen,
nicht die Einsamkeit beschwert.

Er zeigt stolz den Kranz aus Blumen,
den er ihr geflochten hat,
und ein Stück vom Lieblingskuchen,
weil er weiss, es macht sie satt.

Er erzählt mir von dem Bruder,
dessen Ball auch seiner ist,
und von ihrer riesen Wiese,
die die Wirklichkeit vergisst.

Nur die Spur des wilden Rennens
durch das Gras bezeugt den Tag,
weil am Abend nur die eine
ihn ans Spiel erinnern mag.

Er erzählt mir vom Geheimnis,
tief in seinem grossen Raum,
möchte unter stolzen Augen
dort nach seinen Freunden schau'n.

Und er fährt uns mit dem Rennspiel
zum Besuch der Phantasie
schau, das Haus, vor dem ich parke,
ja, in diesem leben sie.

(c) Lorenz Filius