Flurgedanken

Es ist still, dein blauer Mantel
hängt allein in seiner Nische,
gern umarmte ich sein Wesen,
dessen Duft ich ewig rieche. 

Es ist still, und deine Schuhe
steh’n in Anmut vor dem Spiegel,
wie du standst vor mir im Frühling,
als ich schenkte dir das Siegel. 

Es ist still, und deine Mütze
liegt mit einem Haar geborgen,
schlafend in den Schal gebettet,
wie dein Kopf in mir am Morgen. 

Es ist still, und zarte Finger
deiner Handschuh’ lassen ahnen,
welche Zärtlichkeit des Streichelns
zog in Liebe ihre Bahnen. 

Es ist still in Flurgedanken,
und ich freue mich zu wissen,
gleich trittst du aus deinem Zimmer
dann darf ich dich wieder küssen.

 

Barden 

Sie verschaffen uns die Freuden,
auch wenn sie oft selber leiden,
ihre Zunft kam angekrochen,
heute wirkt sie hochgestochen.

Doch schon damals wie auch heute,
da erkannten schlaue Leute,
dass den Wert der Bardenkünste,
besser man auf Barden münzte. 

Also werden hochgehalten
eh und je Kaschiergestalten,
neu erfunden und verschlissen,
alt entdeckt, neu angepriesen. 

Was sie können, steht in Ehren,
was sie sind, soll uns erklären,
das, was man aus ihnen machte,
und uns um das Leben brachte. 

Denn in Wertigkeit gesprochen,
hat die Logik hier gebrochen,
warum sind die Starquerelen
mehr wert als verdummte Seelen? 

Da die einen sich nicht wehren,
weil sie von dem Luxus zehren,
den die anderen bezahlen,
kann die Welt mit Lügen prahlen.

Weder diese noch auch jene
ahnen meist, dass das Gescheh’ne
selten ist aus sich geboren,
vielmehr klügstens ausgegoren.

 

Gute Nacht

Kleiner Teddy, gute Nacht,
weiß nicht, was es mit mir macht,
Papa betet, Mama weint,
draußen noch die Sonne scheint. 

Will nicht, was mit mir geschieht,
dass mein Haar vom Kopfe flieht,
wehre dich, sagt leis’ ein Mann,
mit dem weißen Kittel an. 

Ihre Blicke schauen still,
ahnen, was ich wissen will,
Schwere drückt die Augen zu,
find’ ich endlich meine Ruh’? 

Schlage sie noch einmal auf,
Dämmerung nimmt ihren Lauf,
mit dem Tag vergeht das Licht,
müdes Lächeln im Gesicht. 

Lieber Gott, es kommt zurück,
die, die leiden, schenken Glück,
schlafe gleich schon wieder ein,
wo werd’ ich am Morgen sein?

 

(c) Lorenz Filius 2009