Sturmgebäck

Hinter'm blanken Küchentisch
Mittagsschlaf aus Augen fällt,
Mamas Zutaten sind frisch,
leicht bestäubt der Schnee die Welt.

Mehl verwalzt auf großem Teig,
den ein kleiner Strolch bestiehlt,
als die Mutter schaut zum Zweig,
der am Fenster klopfend spielt. 

Stern für Stern und Mond für Mond
stechen kleine Fäuste aus,
Wintersturm im Abend wohnt,
fällt mit mit kalter Tür ins Haus. 

Butter auf dem Ofenblech,
Mehl im Teig und im Gesicht,
hier und da ein Pfeifen, frech,
denn die Fenster sind nicht dicht.

Ehrfurcht in die Röhre stiert,
träumt zum Stern- und Mondgespann,
draussen sich der Wind verliert,
hält im Duft den Atem an. 

Zugedeckt und aufbewart,
Welt und Kind nebst Sturmgebäck,
wenn die Nacht zum Tag erklart,
ist bereits die Hälfte weg.
.

 

Meine Zeit

Meine Zeit verbrachten Leute,
die mir ihre Zeit nur gaben,
um zu stehlen mir mein Heute,
wollten gestern es schon haben. 

Meine Zeit verbrachten Dinge,
die sich nicht mit mir befassten,
drohten, wenn ich mich nicht zwinge,
in Gedanken auszurasten. 

Meine Zeit konnt’ ich behalten,
wenn sie schwanger lief mit Sorgen,
denn die Fehlgeburt aus Falten
wollte sich noch nie wer borgen. 

Meine Zeit verbrachten Geister,
die in Netzen schnell verwesen,
laue Typen spielten Meister,
taten oftmals sehr belesen. 

Meine Zeit verstirbt in Taten,
ohne Antwort auf die Fragen,
ohne Chancen mir zu raten,
auch ein Buch mal aufzuschlagen.

 

Frühe Weihnachtszeit

Frühreif faulen in Regalen
marzipane fette Brote,
lieblos zerrend grinst die Folie,
Weihnachtsmann ein Quengelbote.

Lustig blinken zwischen Leuchtstoff
kitschig bunte Heiligkeiten,
und darunter greifen Hände,
um im Schlussverkauf zu streiten.

Kinderaugen strahlen wenig
über ihre kleinen Siege,
weil Zerstörer ihres Festes
führen gegen Väter Kriege. 

Müden Müttern an der Kasse
ist das Geld davongelaufen,
Ostermann und Weihnachtshase
bringen Papa was zum Saufen.

(c) Lorenz Filius 2009