Was bleibt
Letzte Wege, letzte Tage,
lang schickt keiner Briefe
mehr,
ohne Abschied auf die Trage,
letzter Gruß schon Jahre her.
Bilder, die die Welt
bedeuten,
für den Menschen, der nun
fort,
einst Familien erfreuten,
nun ist er bei ihnen dort.
Fortgeschafft Erinnerungen,
die nicht von Bedeutung sind,
Fremde sind dazu gezwungen,
das was bleibt, verstreut im
Wind.
Nur ein Bild, vergilbt am Fenster,
schaut in leere Räume rein,
blickt, als wolle es was
sagen,
lach’ es an, und steck’ es ein.
Armut
Tiefe Augenhöhlen schauen
lustlos in den grauen Morgen,
Frühstück ohne Brot und Liebe,
Mama hat jetzt and’re Sorgen.
Schulbus fährt das junge Leben
dorthin, wo die Zeit
verfließt,
Heilsarmee bringt Mittagessen,
karge Suppe es genießt.
Nachmittag, gemeinsam einsam,
spielt mit andern seiner Art,
doch die Spiele dieser Wesen
sind mit schwerem Stoff
gepaart.
Und die Zeit, der größte Gegner,
wird bekämpft mit Rausch und
Rauch,
wenn’s die Kälte treibt nach
Hause,
keine Suppe mehr im Bauch.
Hungrig, später Gutenachtgruß,
dort, wo Vater Ruhe hat,
Kasten Bier, Computerspiele,
Flachbildschirm im Großformat.
Zeitungen
Nicht nur taugen Taggeschichten,
um die Bildung zu erfreu'n,
decken auch in manchen Nächten
kalte Seelen wärmend ein.
Mit der Schwärze dieser Blätter
Tausende zur Arbeit geh'n,
dient als Pflege in Gesichtern,
die den Tag allein durchsteh'n.
Oft mißbraucht als Schmutzvermeidung,
ausgelegt auf Marmorstein,
and're wickeln karge Reste
stolz aus Abfalleimern ein.
Achtlos abgelegt, vergessen,
kostete ja nicht die Welt,
für den Finder unterdessen,
spart die Zeitung großes Geld.